Schritt für Schritt ins New Work

Es ist kein Zauberwort. Hoffentlich kein Buzz Word und ganz sicher kein Allheilmittel: New Work. Die neue Arbeitswelt. Eine Welt, die sich viele von uns wünschen und deren Bezeichnung doch zur Projektionsfläche von ganz unterschiedlichen Aspekten geworden ist.

 

Wenn die Verneinungen zu Beginn dieses Beitrags schon nicht greifen, was ist es dann? Womit haben wir es zu tun, wenn wir uns hoffnungsvoll auf New Work beziehen? Was kann dieser prognostizierte Megatrend schon jetzt für uns leisten? Und wie kommen wir ihm im turbulenten Alltag näher, wenn wir das denn wünschen?

 

EINE SPURENSUCHE

 

Fakt ist, dass neue Formen des Arbeitens und der Zusammenarbeit während der Corona-Krise einen gewaltigen Schub bekommen haben. Ebenso Fakt sind die Globalisierung und gewaltige digitale Revolution, die sämtliche Wirtschaftszweige und Arbeitsformen auf eine neue Ebene hieven. Und ebenso klar wird vielen, dass sich junge Menschen, v.a. die Generation Z, nicht mehr von herkömmlichen Karriereversprechungen locken lassen. Viel ganzheitlicher und werteorientierter wird der Blick der Jungen. Doch reicht das für eine neue Arbeitswelt aus?

 

Wenn wir einen kurzen Blick auf Definitionen werfen, dann ist New Work im engeren Sinn "ein Ansatz von Frithjof Bergmann, nach dem zwei Drittel der klassischen Erwerbstätigkeit ersetzt werden sollen, mit einem Drittel, das aus Arbeit besteht, nach der man wirklich strebt, und einem weiteren, das eine Kombination aus intelligentem Verbrauch und technisch hochstehender Selbstversorgung ist." (Gabler Wirtschaftslexikon, 2021) Recherchiert man etwas mehr, weitet sich der Begriff zunehmend und wird immer stärker zu einem vielfältigen Gefäß für sinnstiftendes, freudvolles, oft auch digitales Arbeiten, das eine Balance zwischen klassischem Berufs- und Privatleben ermöglicht bzw. diese beiden immer mehr verschmelzen lässt.

 

Da es sich hier um einen Blog-Beitrag und keine wissenschaftliche Arbeit handelt, möchte ich es auch dabei belassen und einen großen Schritt dahin machen, was mich und vielleicht auch mehrere wirklich bewegt: Wie soll und kann eine neue Arbeitswelt nach Corona praktisch und sinnvoll aussehen? An welchen Ecken und Enden zwickt der Schuh? Und womit kann man beginnen, wenn wirklich etwas verändert werden soll?

 

PERSÖNLICHES VERSTÄNDNIS AUFBAUEN

 

Ich denke, es macht Sinn, zu diesem Zeitpunkt für sich selbst ein Verständnis von einer erstrebenswerten neuen Arbeitswelt aufzubauen. Denn vor aller Aktivität und Veränderung geht es doch v.a. darum zu erkennen, wohin die Reise gehen soll. Was ist das ersehnte Ziel, das wir anpeilen? Was die neuen Ufer der Erwerbsarbeit, die wir erreichen wollen?

 

Als Anregung möchte ich hier auf vier Aspekte eingehen, die aus meiner Sicht wichtige Bestandteile von New Work sein können.

 

     1.       Sinn

Immer mehr Menschen streben in ihrem Tun nach Sinn. Die viele Zeit, die im Büro oder an einer sonstigen Arbeitsstelle verbracht wird, soll in ein Sinnversprechen einzahlen. Die Tätigkeit soll den eigenen Werten und der Persönlichkeit entsprechen und im Idealfall einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Ein hoher Anspruch! Ob er der Realität standhält? Doch, warum nicht nach den Sternen greifen? Im beruflichen Alltag werden unsere Ambitionen ohnehin geschliffen und der Mensch braucht Leitsterne, nach denen er sich orientiert. Es ist wohl an der Zeit, es sich wert zu sein.

 

     2.       Freiheit

Große Bedeutung kommt im klassischen New Work der Freiheit zu, wo und wann zu arbeiten, wie es einem gefällt oder situationsbedingt notwendig ist. Zuhause auf der Couch oder auf einer Terrasse am Meer. Die Stechuhr und Erwartungshaltungen von „wer am längsten am Schreibtisch sitzt, gewinnt,“ gehören (hoffentlich) der Vergangenheit an. Eine Kontrollkultur wird durch eine Vertrauenskultur ersetzt. Ziele werden definiert und der Weg dorthin wird der Arbeitskraft selbst überlassen. Es muss ja nicht gleich Surfen sein, aber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, eines Zweitjobs oder eines freiwilligen Engagements bekommen dadurch Aufwind. Autonomiegefühl und Zufriedenheit steigen.

 

     3.       Beziehungen

Keine Freiheit ohne Bezogenheit. Beziehungen werden im New Work neu definiert. Wenn Sartre uns als „doomed to freedom“ betrachtete, so liegt im New Work eine Aufforderung, Beziehungsebenen neu zu gestalten. Im Idealfall auf Augenhöhe, mit Respekt, Einfühlungsvermögen und dem Blick fürs Gemeinsame. Denn wie sonst soll Zusammenarbeit unter großen Freiheitsgraden funktionieren, wenn nicht bewusst be- oder ent-zogen? Beziehungen werden auf die Probe gestellt. Fallen Teams auseinander, da die Kontrolle fehlt, die sie zusammenhält? Eskalieren Konflikte, da all das Unaufgelöste wilde Parties feiert? Oder werden bewusst tragfähige, vertrauensvolle Allianzen geschmiedet, deren Beteiligte aufeinander schauen, die jeweiligen Freiheiten respektieren und gemeinsam in einen kreativen Prozess eintreten?

 

     4.       Digitales

Ich habe die digitale Revolution bewusst etwas nachgereiht, da sie aus meiner Sicht nur Mittel zum Zweck sein kann und keinesfalls die Menschen bestimmen sollte. Eine kühne Aussage? Doch wir nutzen ja auch das Geld, um sinnvolle Dinge zu tun – und nicht das Geld beherrscht uns, oder? Für Arbeitende heißt es jedenfalls, mit all den neuen Technologien Schritt zu halten. Videokonferenzen, Kollaborationstools, Whiteboards & Co gehören bereits zum fixen Arbeitsalltag und viele tolle kleine oder größere Gadgets sprießen in den Weiten des World Wide Webs, um uns die neue Zeit noch einfacher, oftmals lustiger und effizienter zu machen. Also rein in diesen spannenden Dschungel neuer Methoden und Techniken. Es gilt, einen eigenen schönen Garten für sich daraus anzulegen.

 

WEITERE KERNTHEMEN IM NEW WORK

 

Natürlich habe ich jetzt nur vier Aspekte des New Work herausgepickt, die mir im Moment am augenscheinlichsten sind und von denen aus es weiterzuarbeiten gilt. Doch um zuerst in einen Arbeitsflow zu kommen, braucht es zumindest zweierlei: Die klare Absicht, Veränderungen anzustoßen und weiterzuverfolgen und die geeigneten Fähigkeiten und Methoden dies zu tun.

 

Dies führt mich unweigerlich zu weiteren Kernthemen des New Work: Die Beteiligung der Mitarbeiter*innen, authentische Kommunikation und ein neues Leadershipverständnis, welches Führung im Dienst der gemeinsamen Sache versteht. Eine neue Haltung und auch Leadership Skills sind dafür nötig. Und auch die Zusammenarbeit im Team will bewusst im Sinne der neuen Zeit erarbeitet und kollaborativ gestaltet werden. Strukturen und Prozesse sind buchstäblich handgemacht. Somit können sie auch wieder verändert und adaptiert werden. Ich würde sagen, nicht mit einem gewaltigen Paukenschlag und dem möglichen Scherbenhaufen, sondern Schritt für Schritt. Gemäß den zukunftsorientierten und doch realistischen Zielen der Organisation. Entlang den Bedürfnissen und Interessen der Mitarbeiter*innen. In einer wertschätzenden Unternehmenskultur. Mutig und innovativ. Und: In Balance!

 

IN BALANCE HALTEN

 

Auch Organisationen befinden sich in dynamischen Gleichgewichten. Werden Veränderungen vorgenommen, gilt es, immer wieder diese Gleichgewichte zu kalibrieren, zu prüfen und anzupassen. Ein spannender Prozess, der Vertrauen, Leitungsgeschick, oftmals Moderation und das gemeinsame Ziehen an einem Strang erfordert. Es gelingt step by step. Dann kommen wir dem persönlichen und auch dem gemeinsamen New Work immer näher.

 

Ihre Birgit Allerstorfer


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