Sinn als Leuchtturm in Veränderungsprozessen

(3min Lesezeit)

Wir bewegen uns auf neuem Terrain. Corona hat so manche Selbstverständlichkeit hinweggeschwemmt. Türen für rasante Entwicklungen geöffnet. Umstellungen, die noch vor kurzem mit Widerständen und Zweifeln verhindert wurden, fanden einfach statt. Gewaltige neue Märkte der virtuellen Welt tun sich auf, wollen schnellst möglich erobert und besetzt werden.

 

Dynamische Zeiten, die großen Einsatz, Konzentration und Weitblick erfordern. Und mitten drin? Der Mensch, mit seinen ganz individuellen Prägungen, Bedürfnissen, Hoffnungen, Ängsten und Lernaufgaben. Eine Zeit, in der Organisationen mehr denn je von ihren wohl entwickelten Fundamenten profitieren oder diese entwickeln können. Denn woran orientieren wir uns, wenn der wirtschaftliche Boden zu wanken beginnt? Wonach greifen wir, wenn sich gesellschaftliche Sprünge und Spalten auftun? Ganz sicher nicht nach Stock und Stein...

      Wir suchen nach den Sternen. Wir nehmen einander an der Hand. Wenn auch im übertragenen Sinn. Doch die Metapher soll bleiben. Auch wenn diese Bilder sehr einfach scheinen, so spiegeln sie doch zwei Leitlinien wider, die in den jetzigen Wochen mehr und mehr an Bedeutung gewinnen:

 

 1. Sinn und Zweck unseres Tuns

In der Zeit des Lockdowns hatten viele Menschen – auch neben aufreibender Arbeit und Homeschooling – Zeit, über das eigene Leben nachzudenken. Die Pandemie zwang uns dazu, unsere Prioritäten zu betrachten. Der Gesundheit z.B. einen neuen Stellenwert zu geben. Die Sinnfrage zu stellen.

 

Auch Organisationen müssen sich grundlegend hinterfragen. Branchen, wie beispielsweise der Tourismus, der Handel oder Transport werden fundamental gewandelt, von Industriezweigen ganz zu schweigen. Große Chancen und Märkte tun sich auf, vorausgesetzt, man erkennt die Zeichen der Zeit, investiert mutig nach vorne, unterstützt nachhaltige Lebensstile und Trends.

 

Hierbei ist der Mensch unmittelbar beteiligt und auch betroffen, als Mitarbeiter_in, als Führungskraft, als Unternehmer_in und Konsument_in. Als Persönlichkeit und in der Folge deren Familie, die womöglich ihren Arbeitsplatz oder ihren Auftraggeber und damit die wirtschaftliche Existenzgrundlage verliert und in eine fordernde Zeit der persönlichen Abstriche und Veränderung gehen muss. Keine Frage, ich möchte die Herausforderungen – in ihren gewaltigen Dimensionen – nicht schönreden.

 

Doch eine Frage kehrt für mich immer wieder. Die Frage nach dem Sinn des Tuns. Sowohl auf der persönlichen Ebene des Lebens, als auch auf der Ebene von Organisationen. Wir alle möchten sie beantworten können. Und gerade Organisationen sind in der jetzigen Zeit gefordert, Antwort darauf zu geben, welchen Sinn und Nutzen sie in der Zukunft stiften möchten.

Wesentliche Führungsaufgabe wird es sein, dieses „Why“ der Organisation noch klarer nach innen und außen zu kommunizieren. Denn dieser Leitstern gibt Mitarbeiter_innen Kraft und Ausrichtung in oftmals schmerzhaften Veränderungsprozessen. Ebenso macht ein klarer Purpose ein Unternehmen einmalig.

 

Sinn, Werte und Kultur können nicht kopiert werden! Es sind eindeutige Wettbewerbsvorteile, Alleinstellungsmerkmale, die eine Organisation in ihrer ganzen Kraft und Bedeutung strahlen lassen. Damit wird nicht nur der Zusammenhalt intern gestärkt, auch zieht dieser Leuchtturm die besten Köpfe an. High Potentials, Generation Y & Z und viele mehr, sie alle möchten sich mit einer Organisation identifizieren können. Sie suchen die Übereinstimmung mit ihren persönlichen Werten!

 

Und hier schließt sich wiederum der Kreis der individuellen und organisationalen Sinnsuche. Sie verbindet uns. Sie knüpft die Bande genau dort, wo sie uns am wichtigsten ist. Tief in unserer Persönlichkeit… Was mich zur zweiten Leitlinie bringt:

 

          2. Verbundenheit und Kommunikation

Wenn der Boden zu wanken beginnt, greift man nach Halt. Doch wo finden wir ihn? In einem ganz weiten Verständnis könnte man sagen, dass jede Sicherheit schlussendlich nur in einem selbst gefunden werden kann, doch im Alltag des Berufslebens braucht es konkrete Ansätze!

 

Eine wertschätzende Zusammenarbeit im Team und in der Organisation gibt nachweislich Halt und Ausrichtung. Ein eingespieltes Team ist mehr als die Summe der Teile. Es wächst über sich hinaus. Gerade in Zeiten der Krise.

Ein solcher Zusammenhalt entsteht nicht von alleine. Es braucht entsprechendes Leadership und das Einlassen auf einen gemeinsamen Weg. Wie ein schöner Blumengarten, benötigt auch Teamentwicklung einen fruchtbaren Boden, Pflege und Wachstum. Das Vertrauen, dass manche Entwicklungen Zeit brauchen. Auch an einer Pflanze kann man nicht ziehen, geschweige denn einen Moon-Shot vollziehen. Wir arbeiten als Menschen zusammen und geben unsere Persönlichkeit nicht am Kleiderständer ab. Selbstverständlich gilt es professionell zu arbeiten. Doch Achtsamkeit, Anerkennung, Ehrlichkeit und v.a. eine wertschätzende Kommunikation machen gerade in fordernden Zeiten den essentiellen Unterschied und Professionalität aus.

 

Es mag antizyklisch wirken, doch je stürmischer die Wellen, umso wichtiger werden soziale und emotionale Kompetenz. Die Wellen glätten sich nicht, wenn wir auf ihnen hin und her geworfen werden. Viel hilfreicher ist es, die Welle zu surfen. Die Richtung und Kraft so weit als möglich einzuschätzen und mit dem Fluss zu gehen. Das braucht Selbstkompetenz, Handlungskompetenz und ganz viel Kommunikation!

 

Gepaart mit einem klaren Sinnversprechen, können Menschen und Organisationen gerade in Krisenzeiten über sich hinauswachsen und ungeahnte Möglichkeiten realisieren.

 

Die Sommermonate stehen vor der Tür. Auch Zeit, die eine oder andere Frage zu stellen und den Antworten aus dem eigenen Inneren zu lauschen. Ich wünsche Ihnen, die Wellen gut zu surfen und auch an Orten der Erholung und des Auftankens anzukommen!

Ihre Birgit Allerstorfer